Axiom vom Lineal und Axiom von Pasch SoSe2020: Unterschied zwischen den Versionen

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===== Definition III.1: (Mittelpunkt einer Strecke) =====
===== Definition III.1: (Mittelpunkt einer Strecke) =====
::Wenn ein Punkt <math>\ M</math> der Strecke <math>\overline{AB}</math> ...<br />
::Wenn ein Punkt <math>\ M</math> der Strecke <math>\overline{AB}</math> den gleichen Abstand zu Punkt A wie zu Punkt B hat, dann heißt dieser Punkt M Mittelpunkt der Strecke <math>\overline {AB}</math> (<math>\left| AM \right| = \left| MB \right|</math>)


===== Satz III.1: (Existenz und Eindeutigkeit des Mittelpunkte einer Strecke) =====
===== Satz III.1: (Existenz und Eindeutigkeit des Mittelpunkte einer Strecke) =====
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| <math>\exists d \in \mathbb{R}^{+} \ : \ d = \left| AB \right|</math>
| <math>\exists d \in \mathbb{R}^{+} \ : \ d = \left| AB \right|</math>
| Tragen Sie hier die Begründung ein.
| Axiom II.1 (Abstandsaxiom)
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| <math>\exists M \in AB^{+} \ : \ \left| AM \right| = d^{*}</math>
| <math>\exists M \in AB^{+} \ : \ \left| AM \right| = d^{*}</math>
| Tragen Sie hier die Begründung ein.
| Axiom III.1 (Axiom vom Lineal)
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| <math>\left| MB \right| = \frac{\left| AB \right|}{2}</math>
| <math>\left| MB \right| = \frac{\left| AB \right|}{2}</math>
| Tragen Sie hier die Begründung ein.
| Wegen V
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| <math>\ M</math> ist der Mittelpunkt von <math>\overline{AB}</math>
| <math>\ M</math> ist der Mittelpunkt von <math>\overline{AB}</math>
| Tragen Sie hier die Begründung ein.
| Wegen VII und der Definition III.1 (Mittelpunkt einer Strecke)
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:::Falls unsere Behauptung nicht gelten sollte, müsste 2. also <math>\operatorname{Zw} (A, B, M)</math> gelten.
:::Falls unsere Behauptung nicht gelten sollte, müsste 2. also <math>\operatorname{Zw} (A, B, M)</math> gelten.
::: Nehmen wir also an, dass <math>\ B</math> zwischen <math>A\ </math> und <math>\ M</math> liegt: <math>\operatorname{Zw} (A, B, M)</math><br />
::: Nehmen wir also an, dass <math>\ B</math> zwischen <math>A\ </math> und <math>\ M</math> liegt: <math>\operatorname{Zw} (A, B, M)</math><br />
::: Wäre unsere Annahme wahr, müsste die folgende Gleichung gelten: .... (ergänzen Sie selbst!)<br />
::: Wäre unsere Annahme wahr, müsste die folgende Gleichung gelten: <math>|AB|+|BM|=|AM|</math><br />
::: Die Gültigkeit dieser Gleichung wäre jedoch ein Widerspruch zu .... (ergänzen Sie selbst!)<br />
::: Die Gültigkeit dieser Gleichung wäre jedoch ein Widerspruch zu unserer Voraussetzung, da <math>|BM|</math><br /> dann negativ sein müsste und dies wegen Axiom II.1 (Abstandsaxiom) nicht möglich ist.
::: Also ist unsere Annahme <math>\operatorname{Zw} (A, B, M)</math> zu verwerfen und es gilt <math>\operatorname{Zw} (A, M, B)</math>
::: Also ist unsere Annahme <math>\operatorname{Zw} (A, B, M)</math> zu verwerfen und es gilt <math>\operatorname{Zw} (A, M, B)</math>


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[[Kategorie:Einführung_S]]
= Halbebenen und das Axiom von Pasch =
== Halbebenen ==
=== Analogiebetrachtungen ===
 
 
 
Die folgenden Lückentexte können Sie auch als Übungsblatt im pdf-Format herunterladen:
{{pdf|Analogiebetrachtungen_Strahl_Halbebene.pdf| Übungsblatt Halbgeraden/-ebenen‎}}
 
Wir konstatieren:
::Eine Gerade wird durch einen ......Punkt ...... in zwei .....Halbgeraden....... eingeteilt.<br />
::Eine Ebene wird durch eine ....Gerade ........ in zwei ...Halbebenen......... eingeteilt..
 
::Eine Gerade ist ein .ein....dimensionales Objekt.<br />
::Eine Ebene ist ein .zwei....dimensionales Objekt
 
::Im Fall dieser Geradenteilung ist der Trenner ein ..null...dimensionales geometrisches Objekt<br />
::Im Fall dieser Ebenenteilung ist der Trenner ein .ein....dimensionales geometrisches Objekt.
 
::Wenn also n die Dimension des geometrischen Objekts ist, das geteilt wird, dann hat der Trenner die Dimension ..n-1... .
 
 
Geradenteilung:
 
:Es seien <math>\ g</math> eine Gerade und <math>\ T</math> ein Punkt auf ihr. Ferner sei <math>\ Q</math> ein von <math>\ T</math> verschiedener Punkt der Geraden <math>\ g</math>. Die Menge <math>\ g \setminus T</math> wird durch durch den Trenner <math>\ T</math> in genau zwei Klassen eingeteilt:
::# Die Menge aller Punkte von <math>\ g \setminus T</math>, die mit <math>\ Q</math> auf derselben .Halbgeraden.. .
::# Die Menge aller Punkte von <math>\ g \setminus T</math>, die mit <math>\ Q</math> nicht auf derselben ..Halbgeraden. .
 
Ebenenteilung:
:Es seien <math>\ \varepsilon</math> eine Ebene und <math>\ t</math> eine Gerade, die vollständig in <math>\ \varepsilon</math> liegt. Ferner sei <math>\ Q</math> ein nicht zu <math>\ t</math> gehörender Punkt der Ebene <math>\ \varepsilon</math>. Die Menge <math>\ \varepsilon \setminus t</math> wird durch durch den Trenner <math>\ t</math> in genau zwei Klassen eingeteilt:
 
::# Die Menge aller Punkte von <math>\ \varepsilon \setminus t</math>, die mit <math>\ Q</math> auf derselben ..Halbebene. .
::# Die Menge aller Punkte von <math>\ \varepsilon \setminus t</math>, die mit <math>\ Q</math> nicht auf derselben .Halbebene.. .
 
=== Definition des Begriffs der Halbebene ===
==== Alles hat zwei Seiten oder grundlegende Ideen der Beschaffenheit von Ebenen ====
{|
|-
| Zu unsere Vorstellung von der Eigenschaften einer beliebigen Ebene  <math>\varepsilon</math> gehört u.a., dass jede Gerade <math>\ g</math>, die zu unserer jeweiligen Ebene <math>\varepsilon</math> gehört, diese in zwei ''Hälften'' bzw. zwei ''Seiten'' einteilt. Zur Kennzeichnung der beiden ''Seiten'' von <math>\varepsilon</math> bezüglich der Geraden <math>\ g</math> verwenden wir einen Punkt <math>\ Q \in \varepsilon</math>, welcher nicht zu <math>\ g</math> gehören sollte.
|[[Bild:Halbebene_00.png| 100 px]]
|-
| Zu der einen ''Hälfte'' von <math>\ \varepsilon</math> bezüglich <math>\ g</math> gehören alle die Punkte aus <math>\varepsilon \setminus g</math>, die mit <math>\ Q</math> auf derselben Seite von <math>\ g</math> liegen. Alle anderen Punkte aus <math>\varepsilon \setminus g</math> gehören zur anderen Seite von <math>\ \varepsilon</math> bezüglich <math>\ g</math>.
| [[Bild:Halbebene_01.png | 100 px]]
|}
==== Offene Halbebenen ====
Die beiden Seiten, in die die Menge der Punkte einer Ebene <math>\ \varepsilon</math>, die nicht auf einer Geraden <math>\ g</math> dieser Ebene liegen, durch diese Gerade <math>\ g</math> eingeteilt wird, heißen offene Halbebenen von <math>\ \varepsilon</math> bezüglich der Trägergeraden <math>\ g</math>. Der nicht zu <math>\ g</math> gehörende Referenzpunkt <math>\ Q \in \varepsilon</math> bietet uns eine Möglichkeit zur Bezeichnung der beiden offenen Halbebenen. Die offene Halbebene, zu der alle Punkte gehören, die bezüglich <math>\ g</math> mit <math>\ Q</math> auf derselben Seite liegen, wird mit <math>\ gQ^{+}</math> bezeichnet, die andere offene Halbebene von <math>\ \varepsilon</math> bezüglich <math>\ g</math> und <math>\ Q</math> mit <math>\ gQ^{-}</math>.
 
Obige Ausführungen können als informelle Definition des Begriffs offene Halbebene dienen. Hinsichtlich wirklicher mathematischer Exaktheit der Festlegung, was denn eine offene Halbene sein möge, bedarf es einer genauereren Erklärung, was denn darunter zu verstehen wäre, dass zwei Punkte <math>\ P</math> und <math> \ Q</math> einer Ebene <math>\ \varepsilon</math> auf ein und derselben bzw. auf zwei verschiedenen Seiten dieser Ebene bezüglich einer Geraden <math>\ g</math> liegen.
 
===== Definition IV.1: (offene Halbebene)=====
:::Es sei <math>\ \varepsilon</math> eine Ebene in der die Gerade <math>\ g</math> liegen möge. Ferner sei <math>\ Q</math> ein Punkt der Ebene <math>\ \varepsilon</math>, der nicht zur Geraden <math>\ g</math>  gehört.<br /> Unter den offenen Halbebenen <math>\ gQ^{+}</math> und <math>\ gQ^{-}</math> bezüglich der Trägergeraden <math>\ g</math> versteht man die folgenden Teilmengen der Ebene <math>\ \varepsilon</math> ohne die Gerade <math>\ g</math> :
 
::::<math>\ gQ^{+}:=  \left\{ {P|\overline{PQ} \cap g=\phi  } \right\}</math>
 
::::<math>\ gQ^{-}:=  \left\{ {P|\overline{PQ} \cap g\neq\phi  } \right\}</math>
 
==== Halbebenen ====
Vereinigt man die Menge der Punkte einer offenen Halbeben mit der Menge der Punkte der Trägergerade so erhält man eine Halbebene.
 
===== Definition IV.2: (Halbebene) =====
::Es sei <math>\ g</math> eine Gerade der Ebene <math>\ \varepsilon</math>. <math>\ gQ^+</math> und <math>\ gQ^-</math> seien die beiden offenen Halbebenen von <math>\ \varepsilon</math> bezüglich  <math>\ g</math>. Unter den (geschlossenen) Halbebenen von  <math>\ \varepsilon</math> bezüglich <math>\ g</math> versteht die beiden Punktmengen, die durch die Vereinigung jeder dieser beiden offenen Halbebene von <math>\ \varepsilon</math> bezüglich der Geraden <math>\ g</math> mit jeweils dieser Geraden <math>\ g</math> entstehen.
 
Bemerkung: Für die formale Beschreibung von offenen und geschlossenen Halbebenen wird jeweils dieselbe Bezsichnung verwendet: offene Halbebene: <math>\ g Q^+</math>, (geschlossene) Halbebene: <math>\ g Q^+</math>. Der weitere Gebrauch der Sprache kennzeichnet, ob es sich um eine offene oder um die geschlossene Halbene handeln soll. Aus Gründen der Vereinfachung sei vereinbart, dass <math>\ g Q^+</math> bzw. <math>\ g Q^-</math> immer die geschlossene Halbebene meint. Soll die offene Halbebene gemeint sein, so ist dieses durch den Zusatz "offen" zu kennzeichnen.<br />
 
==== Definition IV.3: Halbraum====
 
Gegeben sei eine Ebene <math>\varepsilon</math>.<br />
::  Halbraum <math>\varepsilon Q^{+} :=\left\{ P|...    \right\} \cup \varepsilon</math>
::  Halbraum <math>\varepsilon Q^{-} :=\left\{ P| ... \right\}  \cup \varepsilon </math><br />
 
== Das Axiom von [http://de.wikipedia.org/wiki/Moritz_Pasch  Pasch] ==
:::''Was Axiomatik ist und wie man Axiome zu formulieren hat, das ist erst gegen Ende des 19. Jh. von Pasch gezeigt worden; von ihm lernten es die italienischen Geometer und lernte es Hilbert.<br />[http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Freudenthal Hans Freudenthal], Mathematik als pädagogische Aufgabe, Stuttgart 1973, S. 14)''
 
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===== Axiom III.2: Das Axiom von Pasch =====
:::Gegeben sei ein Dreieck <math>\overline{ABC}</math>. Ferner sei <math>\ g</math> eine Gerade, die durch keinen der drei Eckpunkte <math>\ A, B, C</math> geht. Wenn <math>\ g</math> eine der drei Seiten des Dreiecks <math>\overline{ABC}</math> schneidet, dann schneidet <math>\ g</math> genau eine weitere Seite des Dreiecks <math>\overline{ABC}</math>.


[[Kategorie: Einführung S]]
[[Kategorie: Einführung S]]

Aktuelle Version vom 17. Juni 2020, 09:51 Uhr

Whiteboard der Sitzung vom 12 Juni 2020

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Streckenantragen und das Axiom vom Lineal

Der Mittelpunkt einer Strecke

Wir wissen nun, dass eine offene Strecke AB die Menge aller Punkte ist, die zwischen  A und  B liegen. Vereinigt man diese Menge mit der Menge der beiden Endpunkte  A und  B, so hat man die gesamte Strecke AB. Zu unseren grundlegenden Vorstellungen von Strecken gehört, dass jede Strecke AB einen Mittelpunkt  M hat.  M wäre der Punkt auf AB, der sowohl zu  A als auch zu  B denselben Abstand |AB|2 hat.

GeoGebra
Definition III.1: (Mittelpunkt einer Strecke)
Wenn ein Punkt  M der Strecke AB den gleichen Abstand zu Punkt A wie zu Punkt B hat, dann heißt dieser Punkt M Mittelpunkt der Strecke AB (|AM|=|MB|)
Satz III.1: (Existenz und Eindeutigkeit des Mittelpunkte einer Strecke)
Jede Strecke hat genau einen Mittelpunkt.
Beweis der Existenz und Eindeutigkeit des Mittelpunktes einer Strecke
Die Materie erscheint einsichtig und einfach. Übungsaufgabe?? Nichts ist einfach. Mit den bisher bereitgestellten axiomatischen Grundlagen unserer Geometrie wird es Ihnen nicht gelingen, etwa zu zeigen, dass jede Strecke einen Mittelpunkt besitzt.


Der Knackpunkt bezüglich des Nachweises der Existenz und Eindeutigkeit des Streckenmittelpunktes besteht darin, dass unsere derzeitige Theorie noch nicht genügend Punkte zu Verfügung stellt. Momentan muss unser Raum nicht mehr als 4 Punkte enthalten. Nach Axiom I.7 sind diese vier Punkte nicht komplanar, woraus folgt, dass je drei von ihnen nicht auf ein und derselben Geraden liegen. Damit könnte eine durch zwei verschiedene dieser vier Punkte eindeutig bestimmte Strecke gar keinen Mittelpunkt haben, denn dieser müsste entsprechend Definition III.1 bezüglich unserer zwei Endpunkte auf derselben Geraden liegen.

Es wird Zeit, die Anzahl Punkte unserer Theorie radikal zu erhöhen. Konzentrieren wir uns diesbezüglich zunächst auf einen Strahl  AB+. Nach unserer Vorstellung von Halbgeraden können wir je zwei Punkten von  AB+ genau eine nichtnegative reelle Zahl (den Abstand der beiden Punkte) zuordnen. Nach unseren Vorstellungen etwa von Zahlenstrahl gibt es auch zu jeder nicht negativen reellen Zahl d genau einen Punkt  D auf  AB+, der zu  A gerade den Abstand  d hat. Bei Konstruktionsaufgaben finden wir diese Idee im Zusammenhang mit dem Streckenantragen wieder.

Streckenantragen

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Das Axiom vom Lineal

Wir sind überzeugt davon, dass unsere Konstruktion entsprechend des vorangegangenen Abschnitts immer funktioniert und der so gewonnene zweite Endpunkt unserer konstruierten Strecke eindeutig bestimmt ist. Die Idee des Streckenantragens müssen wir jetzt jedoch axiomatisch fordern bzw. begründen.

Axiom III.1: (Axiom vom Lineal)
Zu jeder nicht negativen reellen Zahl  d gibt es auf jedem Strahl  p genau einen Punkt, der zum Anfangspunkt von  p den Abstand  d hat.

Zum Sprachgebrauch. Wir werden in kommenden Beweisen einzelne Beweisschritte häufig mit dem Axiom vom Lineal begründen müssen. Wir werden in einem solchen Fall ggf. auch mit der Existenz und Eindeutigkeit des Streckenantragens begründen. Letzteres ist schließlich nichts anderes als der Inhalt des Axioms vom Lineal.

Existenz und Eindeutigkeit des Mittelpunktes einer Strecke

Nachdem das Axiom vom Lineal formuliert wurde, wird es uns gelingen Satz III.1 zu beweisen.

Jetzt wirklich: Beweis von Satz III.1

noch einmal der Satz:

Jede Strecke hat einen und nur einen Mittelpunkt.

Es sind also zwei Beweise zu führen:

  1. Existenzbeweis: Jede Strecke hat einen Mittelpunkt.
  2. Eindeutigkeitsbeweis: Jede Strecke hat nicht mehr als einen Mittelpunkt.
    (Highlanderbeweis: Es kann nur einen geben.)
Der Existenzbeweis
Es sei AB eine Strecke
Behauptung:
Es gibt einen Punkt auf der Strecke AB der zu den Endpunkten  A und  B jeweils ein und denselben Abstand hat.
Die Behauptung noch mal: MAB: |AM|=|MB| .

Der Beweis:


Jede Strecke AB hat einen Mittelpunkt.
Beweisschritt Begründung
(I) d+ : d=|AB| Axiom II.1 (Abstandsaxiom)
(II) d*+ : d*=d2 Tragen Sie hier die Begründung ein.
(III) MAB+ : |AM|=d* Axiom III.1 (Axiom vom Lineal)
(IV) Zw(A,M,B) und damit MAB Wegen III, Hilfssatz A und der Definition der Zwischenrelation
(V)  |AM|+|MB|=|AB|2+|MB|=|AB| Definition der Zwischenrelation  |AM|+|MB|=|AB|
Wegen II und III ( |AM|=d*=d2=|AB|2)
(VI) |MB|=|AB|2 Wegen V
(VII) |AM|=|MB| Tragen Sie hier die Begründung ein.
(VIII)  M ist der Mittelpunkt von AB Wegen VII und der Definition III.1 (Mittelpunkt einer Strecke)

Hilfssatz A:

Voraussetzung:
Es seien  A und  B zwei verschieden Punkte. Für den Punkt  M mit  MAB+ möge gelten: |AM|=|AB|2
Behauptung:
Zw(A,M,B).

Beweis von Hilfssatz A:

Weil  MAB+ gilt entweder
  1. Zw(A,M,B) oder
  2. Zw(A,B,M)
(s. Definition Strahl AB+)
Falls 1. gilt, gilt unsere Behauptung.
Falls unsere Behauptung nicht gelten sollte, müsste 2. also Zw(A,B,M) gelten.
Nehmen wir also an, dass  B zwischen A  und  M liegt: Zw(A,B,M)
Wäre unsere Annahme wahr, müsste die folgende Gleichung gelten: |AB|+|BM|=|AM|
Die Gültigkeit dieser Gleichung wäre jedoch ein Widerspruch zu unserer Voraussetzung, da |BM|
dann negativ sein müsste und dies wegen Axiom II.1 (Abstandsaxiom) nicht möglich ist.
Also ist unsere Annahme Zw(A,B,M) zu verwerfen und es gilt Zw(A,M,B)
Der Eindeutigkeitsbeweis

Übungsaufgabe

Hinweis: Nehmen Sie an, eine Strecke AB hätte zwei Mittelpunkte  M1 und  M2.


Halbebenen und das Axiom von Pasch

Halbebenen

Analogiebetrachtungen

Die folgenden Lückentexte können Sie auch als Übungsblatt im pdf-Format herunterladen: Übungsblatt Halbgeraden/-ebenen‎

Wir konstatieren:

Eine Gerade wird durch einen ......Punkt ...... in zwei .....Halbgeraden....... eingeteilt.
Eine Ebene wird durch eine ....Gerade ........ in zwei ...Halbebenen......... eingeteilt..
Eine Gerade ist ein .ein....dimensionales Objekt.
Eine Ebene ist ein .zwei....dimensionales Objekt
Im Fall dieser Geradenteilung ist der Trenner ein ..null...dimensionales geometrisches Objekt
Im Fall dieser Ebenenteilung ist der Trenner ein .ein....dimensionales geometrisches Objekt.
Wenn also n die Dimension des geometrischen Objekts ist, das geteilt wird, dann hat der Trenner die Dimension ..n-1... .


Geradenteilung:

Es seien  g eine Gerade und  T ein Punkt auf ihr. Ferner sei  Q ein von  T verschiedener Punkt der Geraden  g. Die Menge  gT wird durch durch den Trenner  T in genau zwei Klassen eingeteilt:
  1. Die Menge aller Punkte von  gT, die mit  Q auf derselben .Halbgeraden.. .
  2. Die Menge aller Punkte von  gT, die mit  Q nicht auf derselben ..Halbgeraden. .

Ebenenteilung:

Es seien  ε eine Ebene und  t eine Gerade, die vollständig in  ε liegt. Ferner sei  Q ein nicht zu  t gehörender Punkt der Ebene  ε. Die Menge  εt wird durch durch den Trenner  t in genau zwei Klassen eingeteilt:
  1. Die Menge aller Punkte von  εt, die mit  Q auf derselben ..Halbebene. .
  2. Die Menge aller Punkte von  εt, die mit  Q nicht auf derselben .Halbebene.. .

Definition des Begriffs der Halbebene

Alles hat zwei Seiten oder grundlegende Ideen der Beschaffenheit von Ebenen

Zu unsere Vorstellung von der Eigenschaften einer beliebigen Ebene ε gehört u.a., dass jede Gerade  g, die zu unserer jeweiligen Ebene ε gehört, diese in zwei Hälften bzw. zwei Seiten einteilt. Zur Kennzeichnung der beiden Seiten von ε bezüglich der Geraden  g verwenden wir einen Punkt  Qε, welcher nicht zu  g gehören sollte. Fehler beim Erstellen des Vorschaubildes: Datei fehlt
Zu der einen Hälfte von  ε bezüglich  g gehören alle die Punkte aus εg, die mit  Q auf derselben Seite von  g liegen. Alle anderen Punkte aus εg gehören zur anderen Seite von  ε bezüglich  g. Fehler beim Erstellen des Vorschaubildes: Datei fehlt

Offene Halbebenen

Die beiden Seiten, in die die Menge der Punkte einer Ebene  ε, die nicht auf einer Geraden  g dieser Ebene liegen, durch diese Gerade  g eingeteilt wird, heißen offene Halbebenen von  ε bezüglich der Trägergeraden  g. Der nicht zu  g gehörende Referenzpunkt  Qε bietet uns eine Möglichkeit zur Bezeichnung der beiden offenen Halbebenen. Die offene Halbebene, zu der alle Punkte gehören, die bezüglich  g mit  Q auf derselben Seite liegen, wird mit  gQ+ bezeichnet, die andere offene Halbebene von  ε bezüglich  g und  Q mit  gQ.

Obige Ausführungen können als informelle Definition des Begriffs offene Halbebene dienen. Hinsichtlich wirklicher mathematischer Exaktheit der Festlegung, was denn eine offene Halbene sein möge, bedarf es einer genauereren Erklärung, was denn darunter zu verstehen wäre, dass zwei Punkte  P und  Q einer Ebene  ε auf ein und derselben bzw. auf zwei verschiedenen Seiten dieser Ebene bezüglich einer Geraden  g liegen.

Definition IV.1: (offene Halbebene)
Es sei  ε eine Ebene in der die Gerade  g liegen möge. Ferner sei  Q ein Punkt der Ebene  ε, der nicht zur Geraden  g gehört.
Unter den offenen Halbebenen  gQ+ und  gQ bezüglich der Trägergeraden  g versteht man die folgenden Teilmengen der Ebene  ε ohne die Gerade  g :
 gQ+:={P|PQg=ϕ}
 gQ:={P|PQgϕ}

Halbebenen

Vereinigt man die Menge der Punkte einer offenen Halbeben mit der Menge der Punkte der Trägergerade so erhält man eine Halbebene.

Definition IV.2: (Halbebene)
Es sei  g eine Gerade der Ebene  ε.  gQ+ und  gQ seien die beiden offenen Halbebenen von  ε bezüglich  g. Unter den (geschlossenen) Halbebenen von  ε bezüglich  g versteht die beiden Punktmengen, die durch die Vereinigung jeder dieser beiden offenen Halbebene von  ε bezüglich der Geraden  g mit jeweils dieser Geraden  g entstehen.

Bemerkung: Für die formale Beschreibung von offenen und geschlossenen Halbebenen wird jeweils dieselbe Bezsichnung verwendet: offene Halbebene:  gQ+, (geschlossene) Halbebene:  gQ+. Der weitere Gebrauch der Sprache kennzeichnet, ob es sich um eine offene oder um die geschlossene Halbene handeln soll. Aus Gründen der Vereinfachung sei vereinbart, dass  gQ+ bzw.  gQ immer die geschlossene Halbebene meint. Soll die offene Halbebene gemeint sein, so ist dieses durch den Zusatz "offen" zu kennzeichnen.

Definition IV.3: Halbraum

Gegeben sei eine Ebene ε.

Halbraum εQ+:={P|...}ε
Halbraum εQ:={P|...}ε

Das Axiom von Pasch

Was Axiomatik ist und wie man Axiome zu formulieren hat, das ist erst gegen Ende des 19. Jh. von Pasch gezeigt worden; von ihm lernten es die italienischen Geometer und lernte es Hilbert.
Hans Freudenthal, Mathematik als pädagogische Aufgabe, Stuttgart 1973, S. 14)
GeoGebra
Axiom III.2: Das Axiom von Pasch
Gegeben sei ein Dreieck ABC. Ferner sei  g eine Gerade, die durch keinen der drei Eckpunkte  A,B,C geht. Wenn  g eine der drei Seiten des Dreiecks ABC schneidet, dann schneidet  g genau eine weitere Seite des Dreiecks ABC.